Wie viele Haushalte gibt es in Deutschland?
Wie viele Haushalte gibt es in Deutschland? Aktuelle Zahlen, Haushaltstypen, Singlehaushalte & Prognosen – alle Fakten aus dem Mikrozensus 2025.
In Deutschland gibt es laut dem Mikrozensus 2025 des Statistischen Bundesamts gut 41,1 Millionen private Hauptwohnsitzhaushalte. Damit hat die Zahl der Haushalte im Land einen neuen Höchststand erreicht – obwohl die Bevölkerung nur moderat gewachsen ist. Der Grund: Immer mehr Menschen leben allein oder in kleinen Gemeinschaften, die Haushaltsgröße sinkt kontinuierlich.
Aktuelle Gesamtzahl: Mehr als 41 Millionen Haushalte
Das Statistische Bundesamt weist für das Jahr 2025 exakt 40,8 bis gut 41,1 Millionen Hauptwohnsitzhaushalte aus – je nach Auswertungszeitpunkt der Mikrozensus-Erstergebnisse. Damit liegt Deutschland weit vor allen anderen EU-Staaten in absoluten Zahlen: Frankreich folgt mit rund 32 Millionen, Italien mit 26 Millionen, Spanien mit 19 Millionen Haushalten. In einem Drittel (33 %) aller deutschen Haushalte lebt mindestens eine Person ab 65 Jahren.
Als Privathaushalt zählt laut Statistischem Bundesamt jede zusammenwohnende und eine wirtschaftliche Einheit bildende Personengemeinschaft sowie Personen, die allein wohnen und wirtschaften. Erfasst werden ausschließlich Hauptwohnsitzhaushalte – Nebenwohnsitze wie Ferienwohnungen oder Pendlerwohnungen sowie Gemeinschaftsunterkünfte wie Alten- und Pflegeheime bleiben außen vor.
Haushaltsgröße auf historischem Tiefstand
Parallel zur wachsenden Zahl der Haushalte sinkt die durchschnittliche Haushaltsgröße seit Jahrzehnten. Während 1871 noch durchschnittlich 4,6 Personen in einem deutschen Haushalt lebten, liegt dieser Wert heute bei nur noch rund 2,02 Personen pro Haushalt. Verglichen mit 1991 – damals waren es noch knapp 2,3 Personen – ist das ein spürbarer Rückgang.
Drei Haupttreiber stehen hinter dieser Entwicklung: Erstens die Alterung der Gesellschaft, weil ältere Menschen nach dem Tod des Partners oder dem Auszug der Kinder häufig allein zurückbleiben. Zweitens das Aufschieben der Familienphase – das Durchschnittsalter bei der Geburt des ersten Kindes ist seit 1991 von 27 auf 30,5 Jahre gestiegen. Drittens neue Lebensformen wie bilokale Paarbeziehungen, bei denen Partner bewusst in getrennten Haushalten leben und damit statistisch als zwei Haushalte gezählt werden.
Seit 1991 ist Deutschland um etwa drei Millionen Einwohner gewachsen, die Zahl der Haushalte aber um rund neun Millionen. Dieses Auseinanderdriften hat einen Namen: Singularisierung.
Entwicklung der Privathaushalte in Deutschland
Singlehaushalte: Die häufigste Wohnform
Mit einem Anteil von rund 42 Prozent sind Einpersonenhaushalte die häufigste Haushaltsform in Deutschland. Gut 17 Millionen Menschen lebten zuletzt allein – das entspricht etwa jeder fünften Person in der Gesamtbevölkerung. Seit 1991 ist sowohl die absolute Zahl der Singlehaushalte von rund 11,4 Millionen auf über 17 Millionen als auch ihr prozentualer Anteil von 33 auf über 41 Prozent gestiegen.
Im EU-Vergleich fällt Deutschland damit deutlich aus dem Rahmen: Der EU-Durchschnitt liegt bei 35,7 Prozent Einpersonenhaushalten, während Deutschland mit 42,1 Prozent (2025) klar darüber liegt. Nur in Litauen (55,7 %), Finnland, Dänemark, Estland und Schweden wohnen noch mehr Menschen allein.
Das Bild der typischen alleinlebenden Person ist vielschichtiger als oft gedacht. Die größte Gruppe der Alleinlebenden sind ältere Frauen – häufig Witwen –, deren Partner im statistischen Schnitt etwa fünf Jahre früher sterben. Daneben sind auch junge Erwachsene zwischen 25 und 35 Jahren sowie Geschiedene mittleren Alters stark vertreten. In der Altersgruppe 65 plus lebt mehr als jede dritte Person allein; bei den mindestens 85-Jährigen ist es sogar mehr als jede zweite.
Eine aktuelle Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) geht davon aus, dass die Zahl der Einpersonenhaushalte bis 2045 von derzeit rund 17,6 Millionen (Stand 2022) auf 18,7 Millionen wachsen wird – ein Plus von 6 Prozent. Der Anteil der Singlehaushalte an allen Haushalten würde sich damit von 42 auf 44 Prozent erhöhen. In Stadtstaaten soll dieser Wert laut Prognose sogar auf über 52 Prozent steigen.
Haushaltstypen im Überblick
Die deutschen Privathaushalte gliedern sich heute in drei annähernd gleich große Gruppen. Neben den Einpersonenhaushalten (rund 42 %) stellen Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder mit knapp 30 Prozent die zweitgrößte Gruppe. Mehrpersonenhaushalte mit Kindern kommen auf etwa 28 Prozent aller Haushalte.
Bereits in 41,6 Prozent der Haushalte lebte zuletzt nur eine Person, während Ein- und Zweipersonenhaushalte zusammen rund drei Viertel aller Haushalte ausmachen. Gleichzeitig ist der Anteil der Haushalte mit minderjährigen Kindern seit 1991 von 35 auf 27 Prozent gesunken.
| Haushaltstyp | Anteil (ca.) | Absolut (ca.) |
|---|---|---|
| Einpersonenhaushalte | ~42 % | ~17 Mio. |
| Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder | ~30 % | ~12 Mio. |
| Mehrpersonenhaushalte mit Kindern | ~28 % | ~11 Mio. |
Regionale Unterschiede: Stadtstaaten vs. Flächenländer
Wie viele Personen in einem Haushalt leben, ist regional sehr unterschiedlich. Die kleinsten Haushalte finden sich in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin: Trotz der hohen Miet- und Immobilienpreise lag die durchschnittliche Haushaltsgröße dort bei nur 1,85 bzw. 1,88 Mitgliedern pro Haushalt – jeder zweite Privathaushalt in diesen Städten ist ein Singlehaushalt. In Rheinland-Pfalz hingegen lebt nur jeder dritte Haushalt als Einpersonenhaushalt, die Durchschnittsgröße lag bei 2,1 Personen. Den größten Anteil an Haushalten mit fünf und mehr Personen verzeichnete Baden-Württemberg mit 4,5 Prozent.
Grundsätzlich gilt: In den neuen Bundesländern leben im Schnitt weniger Menschen zusammen als in Westdeutschland. Diese Unterschiede gehen auf strukturelle Faktoren wie die Altersverteilung, die Wanderungsbewegungen und das Wohnungsangebot zurück.
Ausstattung der Haushalte: Von Kühlschrank bis Spielekonsole
Die technische Ausstattung der deutschen Haushalte hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv verändert. Kühlschränke, Mobiltelefone und Flachbildfernseher sind mit Ausstattungsgraden von deutlich über 90 Prozent in nahezu allen Haushalten vorhanden. Auch Geschirrspülmaschinen und Wäschetrockner finden sich in immer mehr Haushalten.
Eine in diesem Zusammenhang häufig gesuchte Zahl: der Anteil der Haushalte mit einer Spielekonsole. Laut aktuellen Daten besitzen knapp 29 Prozent aller Haushalte in Deutschland mindestens eine Spielkonsole. Rund 18,7 Millionen Menschen spielen hierzulande zumindest gelegentlich mit einer Konsole. Mit der Einführung der Nintendo Switch 2 im Jahr 2025 stieg der Hardware-Umsatz im Spielebereich im ersten Halbjahr um 17 Prozent an.
Ebenfalls bemerkenswert: Durch das Wachstum der Haushaltsanzahl steigt auch der gesamtgesellschaftliche Bedarf an Gebrauchsgütern wie Kühlschrank, Waschmaschine und Pkw – selbst wenn der Ausstattungsgrad pro Haushalt konstant bleibt. Kleinere Haushalte verbrauchen dabei tendenziell mehr Ressourcen pro Person als größere, was ökologische Folgen hat.
Wie viele Gegenstände besitzt ein Haushalt?
Neben der Zahl der Haushalte fragt mancher auch nach dem Inhalt: Wie viele Dinge befinden sich eigentlich in einem deutschen Haushalt? Populäre Schätzungen gehen davon aus, dass der durchschnittliche Deutsche rund 10.000 Gegenstände besitzt – von der Kleidung über Küchenutensilien bis hin zu Büchern, Werkzeug und Elektronik. Hinzu kommen im Schnitt rund 40 ungenutzte Gegenstände pro Haushalt, die kaum noch Verwendung finden, aber aufbewahrt werden.
Diese Zahlen verdeutlichen, welchen Stellenwert der materielle Besitz im Alltag einnimmt – und warum Bewegungen wie Minimalismus in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben.
Ausblick: Mehr Haushalte, weniger Personen pro Haushalt
Laut der Haushaltsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird die Gesamtzahl der Privathaushalte bis 2040 auf voraussichtlich 42,6 Millionen steigen. Zu diesem Anstieg tragen vor allem Ein- und Zweipersonenhaushalte bei: Die Zahl der Einpersonenhaushalte soll von heute 17 Millionen auf rund 19,3 Millionen wachsen. Gleichzeitig wird die durchschnittliche Haushaltsgröße auf nur noch 1,92 Personen sinken.
Diese Entwicklung hat weitreichende Konsequenzen: Der Wohnungsbedarf steigt auch bei stagnierenden Bevölkerungszahlen weiter, wie Forschende des BBSR betonen. Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften und der Einzelhandel müssen ihre Planungen und Produktangebote zunehmend auf kleinere Haushalte ausrichten.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Haushalte und Familien in Deutschland
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Private Haushalte mit älteren Menschen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Alleinlebende in der EU 2025
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung – 17 Millionen Menschen in Deutschland leben allein
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Vorausberechnung der Privathaushalte bis 2035
- Umweltbundesamt: Bevölkerungsentwicklung und Struktur privater Haushalte
- Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Haushaltsprognose 2045 – Zahl der Singlehaushalte wächst weiter
- Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB): Zahl der Privathaushalte und Haushaltsgröße seit 1871
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Ausstattung mit Gebrauchsgütern
FAQs
Wie hat sich die Zahl der Haushalte in Deutschland seit der Wiedervereinigung entwickelt?
Die Entwicklung der privaten Haushalte in Deutschland seit 1990 ist eine Geschichte des stetigen Wachstums – aber nicht wegen einer deutlich größeren Bevölkerung, sondern vor allem wegen eines tiefgreifenden Wandels im Lebens- und Wohnverhalten. Seit der Wiedervereinigung ist die Zahl der Haushalte um rund neun Millionen gestiegen, während die Bevölkerung selbst nur um etwa drei Millionen gewachsen ist. Diese Schere erklärt, warum die durchschnittliche Haushaltsgröße trotz aller Zuwanderung immer weiter sinkt.
Konkret: 1991 gab es in Deutschland rund 35 bis 36 Millionen Haushalte mit durchschnittlich knapp 2,3 Personen. Heute liegt die Zahl bei gut 41 Millionen Haushalten – und die Haushaltsgröße ist auf rund 2,02 Personen gesunken. Besonders dynamisch war der Anstieg der Einpersonenhaushalte: von rund 11,4 Millionen im Jahr 1991 auf über 17 Millionen heute. Der Anteil der Singlehaushalte kletterte im gleichen Zeitraum von rund 33 auf über 41 Prozent.
Verschiedene gesellschaftliche Veränderungen haben diesen Trend befeuert. Die sinkende Zahl der Eheschließungen, der Anstieg der Scheidungsrate, das steigende Heiratsalter und ein verzögerter Einstieg in die Familienphase spielen eine wichtige Rolle. Auch die Verbreitung von bilokalen Partnerschaften – also Beziehungen, bei denen beide Partner bewusst in getrennten Wohnungen leben – erhöht die statistische Haushaltszahl, ohne die Bevölkerung zu vergrößern. Hinzu kommt die demografische Alterung: Ältere Menschen, insbesondere verwitwete Frauen, bilden zunehmend Einpersonenhaushalte.
Interessant ist auch der regionale Unterschied: In Ostdeutschland sank die durchschnittliche Haushaltsgröße von 1991 bis in die 2010er-Jahre besonders stark, weil Abwanderung und Strukturwandel die Bevölkerung dezimiert und die Haushaltsgrößen weiter verkleinert haben. In Westdeutschland verlief der Rückgang etwas langsamer, ist aber in absoluten Zahlen ebenfalls deutlich spürbar.
Warum wächst die Zahl der Haushalte, obwohl die Bevölkerung kaum zunimmt?
Diese Frage trifft den Kern eines der bedeutendsten demografischen Trends in Deutschland. Die einfache Antwort: Nicht die Bevölkerungszahl, sondern das Verhalten der Menschen – also wie sie wohnen und wirtschaften – bestimmt die Zahl der Haushalte. Und dieses Verhalten hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt.
Ein zentraler Faktor ist die Singularisierung, also die wachsende Bereitschaft und Fähigkeit, allein zu leben. Wer früher nach dem Auszug aus dem Elternhaus direkt eine neue Gemeinschaft – etwa als Ehepaar oder in einer WG – gründete, lebt heute oft erst jahrelang allein. Junge Erwachsene zwischen 25 und 34 Jahren weisen überdurchschnittlich hohe Alleinlebenquoten auf. Mit 28 Prozent liegt dieser Wert in dieser Altersgruppe deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt.
Gleichzeitig sorgt die Alterung der Gesellschaft dafür, dass immer mehr ältere Menschen als Einpersonenhaushalte gezählt werden. In der Altersgruppe ab 65 Jahren lebt mehr als jede dritte Person allein; bei den Hochbetagten ab 85 Jahren ist es über die Hälfte. Weil die Lebenserwartung steigt und Frauen statistisch länger leben als Männer, sind vor allem ältere Witwen eine wachsende Gruppe unter den Alleinlebenden.
Auch veränderte Partnerschaftsmodelle tragen zur Entwicklung bei: Bilokale Paare – also Paare, die sich bewusst für getrennte Wohnungen entscheiden – werden statistisch als zwei separate Haushalte erfasst, obwohl sie in einer festen Beziehung leben. Neue Lebensformen wie diese machen damit rechnerisch den Bedarf an Wohnraum und die Anzahl der Haushalte größer, ohne die Bevölkerung zu vergrößern.
Für Stadtplanung, Wohnungswirtschaft und Einzelhandel hat das konkrete Auswirkungen: Kleinere Haushalte brauchen kleinere Wohnungen, kleinere Verpackungen, andere Produkte. Der Wohnungsbedarf steigt selbst dann weiter an, wenn die Bevölkerungszahl stagniert oder leicht schrumpft – ein wichtiges Signal für den deutschen Wohnungsmarkt.
Wie viel Prozent aller Haushalte in Deutschland haben eine Spielekonsole?
Laut aktuellen Marktdaten besitzen knapp 29 Prozent aller Haushalte in Deutschland mindestens eine Spielkonsole. Das bedeutet: Gut jeder vierte bis fünfte Haushalt verfügt über ein Gerät wie eine PlayStation, Xbox oder Nintendo Switch. Bezogen auf die gut 41 Millionen Haushalte in Deutschland entspricht das etwa 11 bis 12 Millionen Haushalten.
Rund 18,7 Millionen Menschen in Deutschland spielen zumindest gelegentlich auf einer Spielkonsole – wobei die Zahl der Gamer insgesamt deutlich höher liegt, da viele Menschen lieber am PC, Smartphone oder Tablet spielen. Eine Bitkom-Umfrage aus dem Jahr 2025 ergab, dass 52 Prozent der Befragten zumindest hin und wieder Video- oder Computerspiele spielen, ohne dass dabei die Plattform eine Rolle spielt.
Der deutsche Games-Markt verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 durch den Verkaufsstart der Nintendo Switch 2 einen Hardware-Aufschwung von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das deutet darauf hin, dass der Anteil der konsolenbesitzenden Haushalte in den kommenden Monaten weiter steigen dürfte.
Im Vergleich zur allgemeinen Haushaltsausstattung bleiben Spielekonsolen aber ein Nischenprodukt: Kühlschränke, Mobiltelefone und Flachbildfernseher sind mit Ausstattungsgraden von deutlich über 90 Prozent in fast allen deutschen Haushalten vertreten. Auch Waschmaschinen, Geschirrspüler und PKW erreichen deutlich höhere Quoten als Spielkonsolen. Das zeigt, dass Gaming zwar ein Massenphänomen ist, der Konsolenkauf aber kein universeller Standard in deutschen Haushalten ist – anders als etwa in Südkorea oder Japan, wo die Konsolendichte traditionell höher ausfällt.
Relevant ist diese Frage auch im Zusammenhang mit der Frage nach dem durchschnittlichen Besitz: Spielekonsolen sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich die Haushaltausstattung in den letzten Jahrzehnten immer weiter in Richtung Unterhaltungselektronik und Informationstechnologie verschoben hat.
Wie unterscheiden sich die Haushaltsstrukturen zwischen Stadt und Land in Deutschland?
Der Unterschied zwischen städtischen und ländlichen Haushalten in Deutschland ist statistisch gut belegt und wird durch den Mikrozensus Jahr für Jahr bestätigt. Die grundlegende Aussage lautet: Je urbaner eine Region, desto kleiner die durchschnittliche Haushaltsgröße und desto höher der Anteil der Einpersonenhaushalte.
Am deutlichsten zeigt sich das in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin, wo die durchschnittliche Haushaltsgröße bei lediglich 1,85 bzw. 1,88 Personen liegt. Jeder zweite Privathaushalt in diesen Städten ist ein Singlehaushalt. Selbst trotz extremer Miet- und Immobilienpreise – die eigentlich kleine Wohnverhältnisse erzwingen – bleibt die Zahl der alleinlebenden Menschen in Großstädten hoch. Der Stadtkreis Regensburg weist mit einem Anteil von rund 56 Prozent Einpersonenhaushalten den bundesweit höchsten Wert auf, gefolgt von Erlangen und Würzburg.
Auf dem Land sieht das Bild ganz anders aus. In ländlichen Landkreisen ist die Haushaltsgröße deutlich höher und der Anteil der Familienhaushalte mit Kindern spürbar größer. Den höchsten Anteil an Mehrpersonenhaushalten mit Kindern verzeichnet bundesweit der Landkreis Eichstätt in Bayern, gefolgt von weiteren ländlichen Kreisen wie Cloppenburg. Im Landkreis Cloppenburg beispielsweise bilden Singlehaushalte nur rund 31 Prozent aller Haushalte – deutlich weniger als der bundesweite Schnitt von 42 Prozent.
Zwischen Ostdeutschland und Westdeutschland zeigen sich ebenfalls strukturelle Unterschiede: In den neuen Bundesländern leben im Schnitt weniger Menschen zusammen als im früheren Bundesgebiet, was unter anderem auf Abwanderung, eine ältere Bevölkerungsstruktur und ein verändertes Familienbildungsverhalten zurückzuführen ist.
Baden-Württemberg sticht wiederum bei den größeren Haushalten hervor: Dort hatte zuletzt Baden-Württemberg mit 4,5 Prozent den bundesweit größten Anteil an Haushalten mit fünf und mehr Personen, was auch mit dem hohen Anteil an Familien mit mehreren Kindern und stärkerer Familienbindung in dieser Region zusammenhängt.
Was sind die Folgen der wachsenden Zahl kleinerer Haushalte für Wohnen und Umwelt?
Der Trend zu immer mehr und immer kleineren Haushalten hat weitreichende gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Konsequenzen. Eine der wichtigsten: Der Wohnungsbedarf wächst auch dann weiter, wenn die Bevölkerungszahl stagniert oder leicht schrumpft. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) rechnet damit, dass die Gesamtzahl der Privathaushalte bis 2045 weiter steigen wird – obwohl sich das Bevölkerungswachstum abschwächen dürfte. Der Wohnungsbau muss also nicht nur auf Bevölkerungswachstum, sondern auch auf strukturelle Veränderungen im Wohnverhalten reagieren.
Für den Wohnungsmarkt bedeutet das: Die Nachfrage nach kleineren, effizient geschnittenen Wohnungen nimmt zu. Einzimmerwohnungen und Zwei-Zimmer-Appartements sind in Ballungszentren seit Jahren knapp und teuer. Gleichzeitig stehen in ländlichen Regionen großflächige Einfamilienhäuser oft leer oder werden von einer oder zwei Personen bewohnt – ein Missverhältnis zwischen Angebot und Bedarf.
Ökologisch betrachtet sind kleine Haushalte ressourcenintensiver als große. Einpersonenhaushalte verbrauchen pro Kopf mehr Energie (Heizung, Strom), beanspruchen mehr Wohnfläche pro Person und kaufen häufiger kleinere Packungsgrößen – was mehr Verpackungsmüll bedeutet. Diese Zusammenhänge sind beim Umweltbundesamt gut dokumentiert: Das Wachstum der Haushaltszahl bei gleichzeitig sinkender Haushaltsgröße erhöht tendenziell den Ressourcenverbrauch auf gesellschaftlicher Ebene, selbst wenn der individuelle Verbrauch konstant bleibt oder leicht sinkt.
Wirtschaftlich profitieren bestimmte Branchen: Hersteller von kleinen Haushaltsgeräten, Einzelportionen in der Lebensmittelindustrie, Möbelhersteller für kleine Räume und Streaming-Dienste für Alleinlebende sind Wachstumsmärkte. Gleichzeitig entstehen neue soziale Herausforderungen: Alleinlebende sind statistisch häufiger von Armut bedroht, leiden überdurchschnittlich unter sozialer Isolation und haben im Krankheitsfall oft keine direkte Unterstützung aus dem Haushalt. Für Sozialpolitik und kommunale Planung stellt das eine wachsende Aufgabe dar.
Schließlich wirkt sich die Singularisierung auch auf die Infrastruktur aus: Mehr Haushalte bedeuten mehr Strom- und Wasseranschlüsse, mehr Hausmüll, mehr Briefkästen und mehr Lieferadressen für den Online-Handel – Entwicklungen, die Kommunen und Versorgungsunternehmen gleichermaßen fordern.