Wie viele Milliardäre gibt es in Deutschland?
Wie viele Milliardäre gibt es in Deutschland? Aktuelle Zahlen, die reichsten Deutschen 2026, Branchen, Erbvermögen und Steuern im Überblick.
In Deutschland leben so viele Milliardäre wie nie zuvor: Das Manager Magazin zählte in seiner Ausgabe von Oktober 2025 insgesamt 256 Milliardärinnen und Milliardäre – das ist ein historischer Rekord. Internationale Rankings wie die Forbes Billionaires List und die Hurun Global Rich List kommen je nach Methode auf rund 171 bis 172 Personen, da sie abweichende Stichtage, Bewertungsverfahren und Definitionen verwenden. Ungeachtet der Zählweise ist Deutschland damit weltweit unter den Ländern mit den meisten Milliardären und steht in Europa an der Spitze.
Aktuelle Zahlen: So viele Milliardäre leben in Deutschland
Die Zahl hängt stark davon ab, welches Ranking man heranzieht und nach welcher Methodik gezählt wird. Das Manager Magazin bewertet Beteiligungen, Immobilien, Aktien und Kunstobjekte und listet auch Großfamilien mit, bei denen mehrere Familienmitglieder gemeinsam ein Milliardenvermögen halten. Forbes und Hurun dagegen erfassen primär Einzelpersonen mit einem Nettovermögen von mindestens einer Milliarde US-Dollar.
| Quelle / Ranking | Anzahl Milliardäre (Deutschland) | Stand |
|---|---|---|
| Manager Magazin | 256 (inkl. Großfamilien) | September 2025 |
| Forbes Billionaires List | 172 | November 2025 |
| Hurun Global Rich List | 171 | Anfang 2026 |
Zum Vergleich: Noch vor gut zwei Jahrzehnten lagen die Schätzungen deutlich niedriger. Laut Manager Magazin gab es 2013 lediglich 135 Milliardäre in Deutschland, 2015 waren es 159. Die Verdoppelung der Zahl innerhalb von etwa zehn Jahren zeigt, wie dynamisch sich Großvermögen in Deutschland entwickeln. Das Gesamtvermögen der 500 reichsten Deutschen wuchs laut Manager Magazin auf 1,16 Billionen Euro – dabei hat sich das Gesamtvermögen der Top-100-Milliardäre seit 2001 von 263 Milliarden Euro auf rund 758 Milliarden Euro nahezu verdreifacht, während das Bruttoinlandsprodukt sich im gleichen Zeitraum lediglich verdoppelte.
Deutschlands Platz im weltweiten Vergleich
Deutschland zählt auf der internationalen Bühne der Superreichen zu den absoluten Spitzenreitern. Laut der Hurun Global Rich List für 2026 belegt Deutschland mit 171 Milliardären weltweit den vierten Platz – hinter China (1.110), den USA (1.000) und Indien (308). Auch laut Oxfam gehört Deutschland nach den USA, China und Indien zu den Ländern mit den meisten Superreichen. Damit führt Deutschland die Liste der europäischen Länder mit den meisten Milliardären an.
Der Schweizer Großbank UBS zufolge leben in Deutschland mehr Milliardäre als in irgendeinem anderen europäischen Land. Das Vermögen der deutschen Milliardäre wuchs 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 145,9 auf 692,1 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die Gesamtzahl der Milliardäre weltweit liegt je nach Quelle zwischen rund 3.000 (Forbes) und über 4.000 (Hurun). Das weltweite Gesamtvermögen aller Milliardäre erreichte 2025 einen neuen Höchstwert von 18,3 Billionen US-Dollar.
Die reichsten Deutschen: Wer führt die Liste an?
An der Spitze der deutschen Milliardärsliste steht im aktuellen Forbes-Ranking (Stand: Mai 2026) Dieter Schwarz, Gründer und Eigentümer der Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland), mit einem geschätzten Vermögen von rund 59,9 Milliarden US-Dollar. Auf der Forbes-Echtzeitliste vom Januar 2026, wie sie unter anderem von WirtschaftsWoche und Handelsblatt ausgewertet wurde, führte zeitweise Reinhold Würth die Rangliste der reichsten Deutschen an, mit einem taxierten Vermögen von rund 42,8 Milliarden US-Dollar. Schwarz und Würth liegen je nach Stichtag und Quelle in wechselnder Reihenfolge vorn.
Die folgende Übersicht zeigt die Top 10 der reichsten Deutschen laut Forbes (Stand: Januar 2026):
| Platz | Name | Herkunft des Vermögens | Geschätztes Vermögen (Mrd. USD) |
|---|---|---|---|
| 1 | Reinhold Würth | Montagetechnik/Handel (Würth-Gruppe) | ca. 42,8 |
| 2 | Dieter Schwarz | Lebensmitteleinzelhandel (Lidl, Kaufland) | ca. 39,2–59,9* |
| 3 | Klaus-Michael Kühne | Logistik (Kühne+Nagel, Hapag-Lloyd) | k. A. |
| 4/5 | Susanne Klatten / Stefan Quandt | Automobil (BMW) | 27,7 / 26,4 |
| 6/7 | Albrecht & Heister / Theo Albrecht Jr. | Lebensmitteleinzelhandel (Aldi Süd / Aldi Nord) | je ca. 16,3 |
| 8 | Georg F. W. Schaeffler | Automobil-/Maschinenbau (Schaeffler-Gruppe) | ca. 14,7–19,2 |
| 9/10 | Ludwig Merckle / Friedhelm Loh | Industrie (Heidelberg Materials / Loh Group) | k. A. |
* Die Schwankungen erklären sich durch unterschiedliche Stichtage und Bewertungsmethoden der verschiedenen Rankings.
Welche Branchen dominieren die deutschen Milliardäre?
Die deutsche Milliardärsszene unterscheidet sich deutlich vom US-amerikanischen Vorbild. Während in den USA Tech-Giganten wie Tesla, Amazon oder Microsoft die Ranglisten dominieren, prägten in Deutschland klassische Branchen das Bild: Lebensmittelhandel, Automobil und Logistik stehen ganz oben.
- Lebensmitteleinzelhandel: Die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland), Aldi Süd (Familie Albrecht/Heister) und Aldi Nord (Familie Albrecht) sind die bekanntesten Vertreter. Nirgendwo konzentriert sich so viel Milliardärsvermögen in einer einzelnen Branche wie hier.
- Automobil: Die Quandt-Familie mit BMW-Anteilen steht für den starken Einfluss der deutschen Autoindustrie auf Großvermögen.
- Logistik & Schifffahrt: Klaus-Michael Kühne verdankt seinen Reichtum dem Logistikkonzern Kühne+Nagel und seiner Beteiligung an der Reederei Hapag-Lloyd.
- Industrie und Maschinenbau: Unternehmen wie die Würth-Gruppe oder die Schaeffler-Gruppe stehen für gewachsene Familienunternehmen, die zu globalen Konzernen wurden.
- Technologie: Wächst langsam, bleibt aber im Vergleich zu den USA deutlich weniger prägend. Andreas von Bechtolsheim (Google-Frühfinanzierer, SAP-Umfeld) gilt als Ausnahme unter den deutschen Self-Made-Tech-Milliardären.
Viele dieser Vermögen sind über Jahrzehnte, teils über Generationen, in klassischen Sektoren gewachsen und eng mit Familienunternehmen verbunden. Diese Kombination aus Stabilität und unternehmerischer Kontinuität prägt die deutsche Milliardärslandschaft bis heute.
Geerbt oder selbst erarbeitet? Die Herkunft der Milliardärsvermögen
Eine Auswertung der Forbes-Milliardärsliste durch das unabhängige Datenstudio Datapulse zeigt ein markantes Bild: 75 Prozent der deutschen Milliardärinnen und Milliardäre haben ihren Reichtum nicht selbst erarbeitet, sondern geerbt. Weltweit liegt der Anteil der Erben unter den Milliardären bei durchschnittlich rund 33 Prozent – Deutschland ist damit ein internationaler Ausreißer nach oben.
Zum Vergleich: In China haben rund 97 Prozent der Superreichen ihren Wohlstand selbst erarbeitet, im Vereinigten Königreich sind es rund 89 Prozent und in den USA etwa 73 Prozent. Die Studienautoren sprechen von einer „Erbokratie" in Deutschland – einer Gesellschaft, in der Geburtsrecht Leistung zunehmend übertrumpft. Laut Daten der Großbank UBS haben sogar nur 28 Prozent der deutschen Milliardäre ihr Vermögen selbst erwirtschaftet. Allein zwischen 2024 und 2025 legten deutsche Milliardärsvermögen um rund 178 Milliarden Dollar zu – das entsprach fast 80 Prozent des gesamten europäischen Zuwachses an Milliardärsvermögen.
Wie viel Steuern zahlen Milliardäre in Deutschland?
Die Frage, wie viel Steuern deutsche Milliardäre zahlen, ist politisch hochbrisant. Formal sieht das Steuerrecht progressive Sätze vor: Bei der Erbschaftsteuer steigen die Sätze je nach Verwandtschaftsgrad und Höhe des Erbes auf bis zu 50 Prozent. In der Praxis ist die tatsächliche Steuerbelastung für Großvermögen jedoch sehr viel niedriger. Zahlreiche Ausnahmen – insbesondere die sogenannte Verschonungsregelung für Unternehmensanteile – sorgen dafür, dass Milliardenvermögen häufig nahezu steuerfrei weitergegeben werden können.
Konkrete Zahlen belegen das: Nach einer Auswertung des Netzwerks Steuergerechtigkeit wurden 2024 in 45 Fällen Erbschaften oder Schenkungen von insgesamt rund 12 Milliarden Euro übertragen. Obwohl die Finanzämter Steuern von 3,5 Milliarden Euro festsetzten, wurden rund 95 Prozent davon nachträglich erlassen. Effektiv zahlten die Großerben damit nur rund 180 Millionen Euro – das entspricht etwa 2 Prozent. Zum Vergleich: Auf ein mittleres Arbeitseinkommen fallen im Schnitt rund 18 Prozent Einkommensteuern an (zzgl. Sozialabgaben).
Auch der effektive Gesamtsteuersatz für Milliardäre ist historisch gesunken: Lag er 1996 noch bei rund 60 Prozent, beträgt er heute nur noch etwa 29 Prozent. Im Bundestag werden aktuell verschiedene Reformmodelle diskutiert: Die Linke fordert eine Vermögensteuer von 1 bis 12 Prozent, die Grünen wollen Erbschaftsteuer-Privilegien streichen, und die SPD hat ein eigenes Reformkonzept vorgelegt. Eine Reform ist bislang noch nicht beschlossen; die Debatte ist jedoch deutlich an Fahrt gewonnen.
Warum wächst die Zahl der Milliardäre in Deutschland?
Für den starken Anstieg der Milliardärszahlen sind mehrere Faktoren verantwortlich:
- Steigende Aktienkurse: Wachsende Börsenbewertungen treiben die rechnerischen Vermögenswerte von Großaktionären nach oben, teils deutlich.
- Höhere Unternehmensbewertungen: Auch nicht börsennotierte Familienunternehmen werden bei Übernahmen oder Finanzierungsrunden mit höheren Multiplikatoren bewertet – was das geschätzte Vermögen der Eigentümer steigen lässt.
- Erbschaften und Nachfolgen: Wenn Vermögen auf mehrere Kinder oder Geschwister aufgeteilt wird, können weitere Familienmitglieder offiziell in den Rang der Milliardäre aufsteigen, ohne dass sich an den zugrunde liegenden Unternehmensanteilen viel ändert.
- Globale Vermögenskonzentration: Das Gesamtvermögen von Milliardären weltweit ist seit 2020 inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent gestiegen – von diesem Trend profitieren auch deutsche Superreiche überproportional.
Quellen
- Oxfam Deutschland: Milliardärsvermögen erreichen historischen Rekordwert (Januar 2026)
- WirtschaftsWoche: Forbes-Ranking 2026 – Das sind die 10 reichsten Deutschen
- Handelsblatt: Forbes-Ranking 2026 – Die zehn reichsten Deutschen
- Business-on.de: Reichste Deutsche 2026 – Ranking, Vermögen & Branchen
- Statista: Die reichsten Deutschen 2026 nach Vermögen (Forbes, Stand Mai 2026)
- Statista: Anzahl der Milliardäre in Deutschland 2001–2025 (Manager Magazin)
- Web.de: Das sind die reichsten Deutschen – Manager Magazin Rangliste 2025
- Statista Infografik: Woher kommt der Reichtum der deutschen Milliardäre?
- Surplus Magazin: 75 Prozent der deutschen Milliardäre sind Erben (Datapulse-Studie)
- Netzwerk Steuergerechtigkeit: Mythencheck zur Erbschaftsteuer
- Netzwerk Steuergerechtigkeit: Steuererlasse in Milliardenhöhe für Großerben (2025)
- Netzwerk Steuergerechtigkeit: Jahrbuch Steuergerechtigkeit 2026
- Deutscher Bundestag: Forderung nach Erhebung einer Vermögensteuer beraten (März 2026)
- Tagesanzeiger: Hurun Global Rich List 2026 – Milliardäre weltweit
- Das Investment: In diesen Ländern leben die meisten Milliardäre (Forbes 2025)
- Business Insider: Das sind die 10 reichsten Deutschen (2026)
FAQs
Wer ist der reichste Deutsche im Jahr 2026?
Die Frage nach dem reichsten Deutschen lässt sich nicht mit einer einzigen, eindeutigen Antwort beantworten – denn je nach Ranking, Stichtag und Bewertungsmethode kommen unterschiedliche Namen an die Spitze. In der Forbes-Echtzeit-Rangliste, ausgewertet zum Stand Januar 2026 durch Medien wie die WirtschaftsWoche und das Handelsblatt, führte Reinhold Würth die Liste der reichsten Deutschen an. Sein Nettovermögen wurde dabei auf rund 42,8 Milliarden US-Dollar taxiert. Würth wurde 1935 geboren und trat bereits mit 19 Jahren, nach dem Tod seines Vaters, die Führung des kleinen Schraubenhandelsunternehmens an. Aus diesem Zwei-Mann-Betrieb formte er über Jahrzehnte die Würth-Gruppe, einen globalen Handelskonzern mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Euro.
Zum Stand Mai 2026 weist die Forbes-Datenbank hingegen Dieter Schwarz, den Gründer der Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland), mit einem geschätzten Vermögen von rund 59,9 Milliarden US-Dollar als reichsten Deutschen aus. Die Platzierungen wechseln je nach tagesaktueller Börsenlage, da die Forbes-Liste in Echtzeit aktualisiert wird.
Im Manager Magazin, das jährlich die Liste der 500 reichsten Deutschen veröffentlicht und Vermögen in Euro bewertet, stand zuletzt Dieter Schwarz mit einem geschätzten Vermögen von 46,5 Milliarden Euro an der Spitze – ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahreswert von 43,7 Milliarden Euro.
Ebenfalls dauerhaft in der Spitzengruppe vertreten sind:
- Klaus-Michael Kühne – Mehrheitseigner des Logistikunternehmens Kühne+Nagel und der Reederei Hapag-Lloyd
- Susanne Klatten – BMW-Großaktionärin und reichste Frau Deutschlands, mit einem geschätzten Vermögen von rund 27,7 Milliarden US-Dollar
- Stefan Quandt – Bruder von Susanne Klatten und ebenfalls BMW-Großaktionär, mit rund 26,4 Milliarden US-Dollar
Wichtig zu verstehen: Die Vermögenswerte dieser Personen sind zu einem erheblichen Teil in nicht börsennotierten Unternehmen gebunden oder beruhen auf Beteiligungen an börsennotierten Konzernen. Schwankungen im Aktienkurs können das ausgewiesene Vermögen innerhalb weniger Monate um Milliarden verändern. Alle genannten Zahlen sind deshalb als Schätzwerte zu verstehen, nicht als exakte Bilanzsummen.
Wie unterscheiden sich die Zahlen von Forbes und Manager Magazin?
Die Diskrepanz zwischen den Milliardärszahlen verschiedener Rankings – Forbes nennt für Deutschland rund 172, das Manager Magazin 256 – ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck unterschiedlicher Methoden und Zählweisen.
Forbes führt eine kontinuierlich aktualisierte Echtzeit-Rangliste (Real-Time Billionaires List), die in US-Dollar bewertet wird. Grundlage sind vor allem Aktienkurse und bekannte Beteiligungsquoten. Forbes erfasst primär Einzelpersonen ab einem Nettovermögen von einer Milliarde US-Dollar. Nicht börsennotierte Unternehmen werden anhand von Branchenmultiplikatoren geschätzt.
Das Manager Magazin veröffentlicht einmal jährlich die „Liste der 500 reichsten Deutschen" und bewertet Vermögen in Euro. Dabei werden nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Großfamilien als Einheit erfasst – selbst wenn das Milliardenvermögen auf mehrere Familienmitglieder verteilt ist, können diese gemeinsam als „Milliardärsfamilie" zählen. Zudem fließen Archive, Register, Vermögensverwalter, Anwälte und Bankvertreter in die Recherche ein.
Die Hurun Global Rich List wiederum arbeitet mit eigenen Schätzverfahren und einem anderen Bewertungsstichtag, kommt für Deutschland auf ähnliche Werte wie Forbes.
Praktisch bedeutet das: Das Manager Magazin misst den Reichtum in Deutschland breiter und inklusiver, weswegen die Zahl von 256 erheblich höher liegt. Forbes ist fokussierter auf international vergleichbare Einzelpersonen mit großem, dokumentierbarem Vermögen. Beide Listen ergeben ein stabiles Bild darüber, welche Personen und Familien einen großen Teil der deutschen Vermögenswerte kontrollieren – sie unterscheiden sich jedoch darin, wen genau sie als Milliardär definieren und ab welchem Stichtag sie messen.
Für einen verlässlichen Überblick empfiehlt es sich daher, beide Rankings parallel zu betrachten: das Manager Magazin für den deutschlandspezifischen Blick auf Familienstrukturen, Forbes für den internationalen Vergleich.
Haben die meisten deutschen Milliardäre ihr Vermögen geerbt?
Ja – und zwar in einem weltweit außergewöhnlichen Maß. Eine Auswertung der Forbes-Milliardärsliste durch das unabhängige Datenstudio Datapulse ergibt, dass rund 75 Prozent der deutschen Milliardärinnen und Milliardäre ihren Reichtum nicht selbst erarbeitet, sondern durch Erbschaft oder Schenkung erhalten haben. Laut der Schweizer Großbank UBS haben sogar nur 28 Prozent ihr Vermögen selbst erwirtschaftet.
Im internationalen Vergleich ist das ein extremer Ausreißer: Weltweit liegt der Selfmade-Anteil unter Milliardären bei etwa 67 Prozent. In China haben rund 97 Prozent der Superreichen ihren Wohlstand selbst aufgebaut, im Vereinigten Königreich sind es 89 Prozent und in den USA rund 73 Prozent. Nirgendwo sonst auf der Welt ist der Anteil an Erben unter den Extremvermögenden so hoch wie in Deutschland.
Der Hintergrund: Das moderne deutsche Milliardärsvermögen hat seine Wurzeln überwiegend im Wirtschaftswunder nach 1945. Unternehmen wie Aldi, Lidl, BMW oder Würth wurden von einer Generation gegründet und aufgebaut – ihre Nachkommen erbten die Beteiligungen und stiegen dadurch automatisch in den Status der Milliardäre auf. Diese dynastische Weitergabe von Kapital ist strukturell tief verwurzelt und wird durch das deutsche Erbschaftsteuersystem mit seinen großzügigen Ausnahmen für Unternehmensvermögen begünstigt.
Die Forschung spricht in diesem Zusammenhang von einer „Erbokratie": einer Gesellschaft, in der die Geburt wichtiger ist als Leistung und Bildung. Das hat reale gesellschaftliche Konsequenzen: Wenn der Großteil des Milliardärsvermögens geerbt und nicht erarbeitet wird, sinkt die Aufstiegsmobilität. Die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung erben die Hälfte des gesamten Erbvermögens, während die ärmere Hälfte der Bevölkerung kaum etwas erhält. Das verstärkt die Vermögensungleichheit strukturell über Generationen hinweg.
Ausnahmen gibt es: Andreas von Bechtolsheim, Google-Erstinvestor und Mitgründer von Sun Microsystems, gilt als klassischer Self-Made-Milliardär aus Deutschland mit Hintergrund im Silicon Valley. Auch Biotech-Unternehmer wie Andreas und Thomas Strüngmann haben ihre Milliardenvermögen maßgeblich selbst aufgebaut.
Welche Reformen bei der Besteuerung von Milliardären werden in Deutschland diskutiert?
Die Besteuerung sehr großer Vermögen ist in Deutschland eines der zentralen politischen Themen des Jahres 2026. Mehrere Reformansätze werden gleichzeitig debattiert:
1. Reform der Erbschaftsteuer: Die SPD hat ein Konzept vorgelegt, das die bestehenden Verschonungsregelungen für Unternehmensvermögen deutlich einschränken soll. Bislang können Milliardenvermögen durch das Instrument der „Verschonungsbedarfsprüfung" und durch Familienstiftungen nahezu steuerfrei übergeben werden. Der tatsächliche effektive Steuersatz für Erbschaften über 20 Millionen Euro lag zwischen 2011 und 2020 bei nur 2,8 Prozent – während kleinere Erbschaften fast das Dreifache an Steuern zahlen mussten. Die Union ist dem SPD-Konzept bislang skeptisch gegenüber, sieht aber ebenfalls Reformbedarf bei einzelnen Regelungen. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts könnte die Koalition noch in diesem Jahr zu einer Neuregelung zwingen.
2. Wiedereinführung der Vermögensteuer: Die Linksfraktion im Bundestag hat im März 2026 einen Antrag eingebracht, der eine progressive Vermögensteuer von 1 Prozent ab einer Million Euro bis hin zu 12 Prozent ab einer Milliarde Euro vorsieht. Das DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) schätzt die möglichen Einnahmen auf bis zu 150 Milliarden Euro jährlich. Die Vermögensteuer wurde 1997 faktisch ausgesetzt und seitdem nicht wieder erhoben. Die Grünen fordern ergänzend, die De-facto-Steuerbefreiung bei Erbschaften mit mehr als 300 Wohneinheiten zu beenden.
3. Internationale Milliardärsteuer: Auf globaler Ebene propagiert Ökonom Gabriel Zucman eine Mindeststeuer von 2 Prozent auf Milliardärsvermögen. Diese Idee, die 2025 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos diskutiert wurde, würde theoretisch auch für deutsche Superreiche gelten.
Das Netzwerk Steuergerechtigkeit weist darauf hin, dass die Erbschaftsteuer-Ausnahmen für Unternehmen die größte Steuersubvention in Deutschland darstellen: Der Staat verzichtete allein 2024 durch Erlasse in 45 Fällen auf Einnahmen von 3,4 Milliarden Euro. Trotz der Debatten ist bislang keine der geforderten Reformen verabschiedet. Die politische Mehrheit für weitreichende Änderungen ist noch nicht in Sicht.
Wie hat sich die Anzahl der Milliardäre in Deutschland historisch entwickelt?
Die Zahl der deutschen Milliardäre hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten nahezu verdoppelt – eine Entwicklung, die sich vor allem seit der Finanzkrise 2008 und noch stärker nach der Corona-Pandemie beschleunigt hat.
Laut Manager Magazin gab es im Jahr 2001 eine deutlich kleinere Gruppe von Milliardären; 2013 waren es 135, 2015 bereits 159, 2024 dann 249 – und 2025 schließlich 256. Die internationale Forbes-Liste verzeichnete für Deutschland im Jahr 2007 rund 42 Milliardäre (laut Datapulse), in 2025 waren es 171 bis 172. Das entspricht einer Verfünffachung in weniger als 20 Jahren.
Besonders dramatisch war der Anstieg zwischen 2024 und 2025: Laut Oxfam stieg die Gesamtzahl der Milliardäre in Deutschland um ein Drittel auf 172. Das Gesamtvermögen aller deutschen Milliardäre wuchs inflationsbereinigt um 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar. Damit machte Deutschland allein fast 80 Prozent des gesamten europäischen Zuwachses an Milliardärsvermögen in diesem Jahr aus.
Auch das Gesamtvermögen der Top-100-Reichsten in Deutschland wuchs zwischen 2001 und 2025 von 263 Milliarden Euro auf rund 758 Milliarden Euro – eine nahezu Verdreifachung. Das nominale Bruttoinlandsprodukt verdoppelte sich im selben Zeitraum lediglich. Dieser Unterschied verdeutlicht, dass die Vermögen an der Spitze der Gesellschaft schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft.
Treiber für diese Entwicklung sind unter anderem steigende Aktienkurse, höhere Unternehmensbewertungen für nicht börsennotierte Familienbetriebe sowie die dynamisierte Weitergabe von Vermögen durch Erbschaften und Schenkungen. Hinzu kommt ein statistischer Effekt: Wenn große Familienvermögen auf mehrere Erben aufgeteilt werden, tauchen plötzlich neue Milliardäre auf, ohne dass neues Vermögen entstanden ist. Global betrachtet hat auch der KI-Boom seit 2022 viele neue Milliardäre hervorgebracht – in Deutschland spielt diese Branche allerdings eine kleinere Rolle als in den USA oder China.